Endlich eine Erklärung oder Ein Balanceakt.

Ich wache auf der Liege des Chirurgens auf, immer noch benommen von der Kurznarkose. Überall riecht es nach Desinfektionsmittel und die Worte des Doktors klingen streng: “Sie haben ein Magengeschwür und müssen sich schonen, sonst kann das böse enden.”

Endlich eine Erklärung für die Schmerzen, das nächtliche Erbrechen, und die extreme Erschöpfung. Eine Erschöpfung und Müdigkeit die ich bisher nicht kannte. Im Sommer und Herbst war ich täglich mit meinen Kindern auf Streifzug, wir waren im Schwimmbad oder in der Natur, haben mit den Jahreszeiten gelebt und gemeinsam Zukunftspläne geschmiedet . Seit Weihnachten war ich nicht mehr die Alte, alles hat plötzlich immense Überwindung gekostet, immer erschöpft, immer müde, immer Magenschmerzen.
Aber ich wollte stark sein, für die Kinder, für meine Familie. Nebenbei noch Instagram, plötzlich eine enorme Reichweite, so viele Follower, obwohl ich doch eigentlich viel zu weich für das alles bin. Natürlich wollte ich wachsen, ich wollte der Welt beweisen, dass es auch gut funktionieren kann, das Leben als Großfamilie. Ich habe damit gekämpft mir selbst treu zu bleiben, nahbar zu sein, für alle ein offenes Ohr zu haben und Unterstützung zu bieten, wenn sie gebraucht wurde.

Anscheinend hat mein Körper das alles nicht so gut weggesteckt, und meine Kräfte ließen nach. Ich grübelte, hatte Angst zu versagen, zu enttäuschen und war permanent mein eigener, schärfster Kritiker. Nein war ein Fremdwort für mich, und meine Seele hat unter diesem Druck zu “genügen” extrem gelitten. Liebevolle Mama, engagierte Freundin, und präsent im Social-Media-Life. Plötzlich hast du Freunde, die vorher nie Notiz von dir genommen haben, alles verschwimmt und du verlierst den Bezug zu dir selbst. Mein Körper hat einen Schrei losgelassen, und ich weiß, dass ich etwas ändern muss. Selfcarrying, mein größter Feind, muss nun endlich zur Tat schreiten.

Ich liebe es, mein Leben auf Social Media zu teilen, und es war mir immer ein Anliegen, in den Köpfen der Menschen etwas zu bewirken. Ich bin mit euch gewachsen, und dafür danke ich euch.
Leider hab ich mich, neben meiner Rolle als Mama von 8 Kindern und meiner Rolle im Social-Media-Life, selbst fast verloren, weil ich alle zufrieden stellen wollte. Das ist aber nicht möglich. Mein Körper hat einen Warnschuss abgefeuert, und ich musste die Ohrenstöpsel endlich rausnehmen, um ihn auch zu hören.

Ich danke euch allen, die meinen/unseren Weg begleiten, und mir beizeiten mal in den Hintern treten, sollte ich vom Weg abkommen.
Aber keine Sorge, ich bleibe euch natürlich erhalten, vielleicht sogar ein bisschen tougher und ein bisschen stärker, mit einer positiven Grundhaltung und ganz viel Liebe.

Eure Lisa

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